Schlundbögen, Schlundtaschen und Schlundfurchen

Entwicklung des Pharynx

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In dieser Einheit werden die Entwicklungsgeschehnisse des Rachens behandelt.

Ab der 4. Embryonalwoche entstehen in der Kopf-Hals-Region die Schlundbögen (Pharyngealbögen) – Wülste aus Mesoderm und eingewanderten Neuralleistenzellen. Außen werden sie durch ektodermale Schlundfurchen, innen durch entodermale Schlundtaschen voneinander getrennt. Jeder Bogen erhält einen eigenen Nerv, eine Arterie, einen Knorpel und Muskulatur; daraus erklärt sich die Innervation vieler Kopf- und Halsmuskeln beim Erwachsenen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schlundtaschen sind entodermal, Schlundfurchen ektodermal; die Schlundbögen enthalten Mesoderm und Neuralleistenzellen.
  • 1. Tasche: Paukenhöhle und Tuba auditiva; 1. Furche: äußerer Gehörgang.
  • 3. Tasche: Thymus und untere Epithelkörperchen; 4. Tasche: obere Epithelkörperchen; 5. Tasche: C-Zellen.
  • Nerven der Bögen: 1. N. mandibularis, 2. N. facialis, 3. N. glossopharyngeus, 4. und 6. N. vagus.
  • Persistiert der Sinus cervicalis, entstehen laterale Halszysten und -fisteln.

Schlundtaschen

Boden des embryonalen Pharynx mit Schlundbögen; Schlundtaschen zwischen den Bögen gelb markiert (Gray) Boden des embryonalen Pharynx mit Schlundbögen; Schlundtaschen zwischen den Bögen gelb markiert (Gray)
Abbildung: Henry Gray, Anatomy of the Human Body (1918), gemeinfrei · Markierung: AnatomyProf

Die entodermalen Schlundtaschen sind Ausstülpungen des Vorderdarms und liegen zwischen den Schlundbögen; gezählt werden fünf, wobei die fünfte meist nur rudimentär angelegt ist. Sie bilden folgende Strukturen:

  • 1. Schlundtasche: Cavitas tympani, Tuba auditiva
  • 2. Schlundtasche: Tonsilla palatina, Fossa supratonsillaris
  • 3. Schlundtasche: ventral Thymusepithel, dorsal Glandula parathyroidea inferior
  • 4. Schlundtasche: ventral (geringe, meist rudimentäre) Thymusanlage, dorsal Glandula parathyroidea superior
  • 5. Schlundtasche: Ultimobranchialkörper → C-Zellen der Glandula thyroidea

Die Epithelkörperchen aus der 3. Tasche wandern mit dem Thymus nach kaudal und liegen deshalb später unterhalb derer aus der 4. Tasche. Bei der DiGeorge-Sequenz (Mikrodeletion 22q11) sind 3. und 4. Schlundtasche gestört: Thymushypoplasie mit T-Zell-Defekt und Hypokalzämie durch fehlende Nebenschilddrüsen. In der Abbildung (Boden des embryonalen Pharynx) sind die Schlundtaschen zwischen den Bögen beidseits gelb markiert.

Schlundfurchen

Embryonale Schlundbogenregion; Schlundfurchen am äußeren Rand zwischen den Bögen gelb markiert (Gray) Embryonale Schlundbogenregion; Schlundfurchen am äußeren Rand zwischen den Bögen gelb markiert (Gray)
Abbildung: Henry Gray, Anatomy of the Human Body (1918), gemeinfrei · Markierung: AnatomyProf

Die Schlundfurchen sind die äußeren, ektodermalen Einsenkungen zwischen den Schlundbögen:

  • 1. Schlundfurche: Meatus acusticus externus und äußere (ektodermale) Schicht der Membrana tympanica.
  • 2., 3. und 4. Schlundfurche: werden vom stark wachsenden 2. Schlundbogen überlagert und bilden den Sinus cervicalis, der sich später zurückbildet.

Hinweis: Falls sich der Sinus cervicalis nicht zurückbildet, entstehen laterale Halszysten oder -fisteln. Sie liegen typischerweise am Vorderrand des M. sternocleidomastoideus; eine vollständige Fistel kann bis in die Fossa tonsillaris (Rest der 2. Schlundtasche) reichen. Im Unterschied dazu gehen mediane Halszysten auf Reste des Ductus thyroglossus zurück. Das Trommelfell ist somit dreischichtig: außen Ektoderm (1. Furche), in der Mitte Mesenchym, innen Entoderm (1. Tasche). In der Abbildung sind am äußeren Rand der Anlage die Einkerbungen zwischen den Bögen – die Schlundfurchen – gelb markiert.

Schlundbögen

Boden des embryonalen Pharynx; Mandibularbogen und 2. bis 4. Schlundbogen gelb markiert (Gray) Boden des embryonalen Pharynx; Mandibularbogen und 2. bis 4. Schlundbogen gelb markiert (Gray)
Abbildung: Henry Gray, Anatomy of the Human Body (1918), gemeinfrei · Markierung: AnatomyProf

Die Schlundbögen beinhalten jeweils zugehörige Muskeln, Nerven und Knorpel:

  • 1. Bogen (Mandibularbogen): Kaumuskulatur; N. mandibularis (V3); Meckel-Knorpel (→ Malleus, Incus)
  • 2. Bogen (Hyoidbogen): mimische Muskulatur; N. facialis; Reichert-Knorpel (→ Stapes, Processus styloideus, Cornu minus des Zungenbeins)
  • 3. Bogen: M. stylopharyngeus – manche Darstellungen ordnen ihm auch obere Pharynx- und Gaumensegelmuskeln zu, die heute meist dem 4. Bogen zugerechnet werden; N. glossopharyngeus; Corpus (unterer Teil) und Cornu majus des Os hyoideum
  • 4. Bogen: Pharynxmuskulatur (Schlundschnürer), Gaumensegelmuskeln (außer M. tensor veli palatini), M. cricothyroideus; N. vagus (N. laryngeus superior); Cartilago thyroidea
  • 6. Bogen (der 5. ist beim Menschen rudimentär): innere Kehlkopfmuskeln; N. vagus (N. laryngeus recurrens); Ring- und Stellknorpel (Cartilagines cricoidea und arytenoideae)

Aus diesen Zuordnungen folgt z. B., dass der M. tensor tympani (1. Bogen) vom N. trigeminus, der M. stapedius (2. Bogen) vom N. facialis versorgt wird. In der Abbildung sind die Schlundbögen selbst gelb markiert; Gray beschriftet „Mandibular arch“ sowie „Second“, „Third“ und „Fourth arch“.

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