Bandapparat des Knies

Articulatio genus

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In dieser Lerneinheit werden die Bänder des Kniegelenkes vorgestellt. Diese stabilisieren das Gelenk und bewirken außerdem eine Bandhemmung in der Articulatio genus. Es werden die Menisci, Ligamenta cruciata, Ligamentum patellae, Retinaculum patellae, Ligamenta collateralia und Ligamenta poplitea behandelt.

Das Kniegelenk ist das größte Gelenk des Menschen und funktionell ein Drehscharniergelenk: Es erlaubt Beugung und Streckung sowie in Beugestellung eine Rotation des Unterschenkels. Weil Femurkondylen und Tibiaplateau knöchern kaum zueinander passen, hängt seine Stabilität ganz überwiegend vom Band- und Meniskusapparat ab – entsprechend häufig sind Sportverletzungen gerade dieser Strukturen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Menisci gleichen die Inkongruenz zwischen Femurkondylen und Tibiaplateau aus; der Innenmeniscus ist mit dem Innenband verwachsen und häufiger verletzt.
  • Vorderes Kreuzband: lateraler Femurkondylus → Area intercondylaris anterior; hinteres: medialer Femurkondylus → Area intercondylaris posterior.
  • Kreuzbänder sichern vor allem in Beugung und bremsen die Innenrotation; Seitenbänder sind in Streckung gespannt und bremsen die Außenrotation.
  • Das Lig. collaterale fibulare liegt außerhalb der Kapsel, das Lig. collaterale tibiale ist mit Kapsel und Innenmeniscus verwachsen.
  • Lig. patellae und Retinacula gehören zum Streckapparat des M. quadriceps femoris.
  • Die Ligg. poplitea obliquum und arcuatum verstärken die Kapselhinterwand und verhindern die Überstreckung.

Menisci

Tibiakopf von oben mit gelb markiertem medialem und lateralem Meniscus (Gray) Tibiakopf von oben mit gelb markiertem medialem und lateralem Meniscus (Gray)
Abbildung: Henry Gray, Anatomy of the Human Body (1918), gemeinfrei · Markierung: AnatomyProf

Die beiden Menisci (Meniscus medialis und lateralis) sind sichelförmige, im Querschnitt keilförmige Scheiben aus Faserknorpel und straffem Bindegewebe. Jeder Meniscus lässt sich in drei Abschnitte einteilen: Cornu anterius, Pars intermedia und Cornu posterius.

  • Die Vorder- und Hinterhörner sind an der Area intercondylaris der Tibia befestigt.
  • Die Vorderhörner sind über das Lig. transversum genus miteinander verbunden.
  • Gemeinsam bilden die Menisci eine passende Gelenkpfanne auf den Tibiakondylen; bei der Beugung (Abrollbewegung) verschieben sie sich nach hinten.

Die Menisci vergrößern die Kontaktfläche, verteilen den Druck und dämpfen Stöße; nur ihre äußere Randzone ist durchblutet, weshalb innere Risse schlecht heilen. Der C-förmige Innenmeniscus ist mit Gelenkkapsel und Innenband verwachsen, daher wenig verschieblich und deutlich häufiger verletzt als der fast kreisrunde Außenmeniscus. In der Abbildung (Tibiakopf von oben) sind der mediale und der laterale Meniscus gelb markiert.

Ligamenta cruciata

Tibiakopf von oben und Kniegelenk von dorsal; Kreuzbandansätze und hinteres Kreuzband gelb markiert (Gray) Tibiakopf von oben und Kniegelenk von dorsal; Kreuzbandansätze und hinteres Kreuzband gelb markiert (Gray)
Abbildung: Henry Gray, Anatomy of the Human Body (1918), gemeinfrei · Markierung: AnatomyProf

Die Kreuzbänder liegen in der Fossa intercondylaris – innerhalb der Membrana fibrosa der Gelenkkapsel, aber außerhalb der Membrana synovialis.

  • Lig. cruciatum anterius: von der Innenseite des lateralen Femurkondylus zur Area intercondylaris anterior.
  • Lig. cruciatum posterius: von der Innenseite des medialen Femurkondylus zur Area intercondylaris posterior.

Sie verhindern eine ventrale bzw. dorsale Verschiebung der Tibia gegenüber dem Femur, sichern das Gelenk besonders im gebeugten Knie und bremsen die Innenrotation, weil sie sich dabei umeinander wickeln. Klinisch häufig ist die Ruptur des vorderen Kreuzbandes bei Drehstürzen (Fußball, Skifahren); sie wird mit dem Lachman-Test bzw. dem vorderen Schubladentest geprüft. Bei der „unhappy triad“ sind vorderes Kreuzband, Innenband und Innenmeniscus gemeinsam verletzt. In der Abbildung sind links (Tibiakopf von oben) die tibialen Ansätze beider Kreuzbänder und rechts (Ansicht von dorsal) das hintere Kreuzband gelb markiert.

Ligamentum patellae

Kniegelenk von vorn mit gelb markiertem Ligamentum patellae unterhalb der Patella (Gray) Kniegelenk von vorn mit gelb markiertem Ligamentum patellae unterhalb der Patella (Gray)
Abbildung: Henry Gray, Anatomy of the Human Body (1918), gemeinfrei · Markierung: AnatomyProf

Das Lig. patellae schließt an die Sehne des M. quadriceps femoris an und ist funktionell deren Fortsetzung; die Patella ist als größtes Sesambein des Körpers in diese Sehne eingelagert.

  • Verlauf: von der Patellaspitze (Apex patellae) zur Tuberositas tibiae; oberflächliche Fasern der Quadricepssehne ziehen dabei über die Facies anterior patellae hinweg in das Band.
  • Funktion: verstärkt den Halt der Patella und damit das Kniegelenk insgesamt; überträgt die Kraft des M. quadriceps auf die Tibia (Streckapparat).

Hinter dem Band liegen der Hoffa-Fettkörper (Corpus adiposum infrapatellare) und die Bursa infrapatellaris profunda. Ein Schlag auf das Band löst den Patellarsehnenreflex aus (N. femoralis, Segmente L3–L4). Das mittlere Drittel des Bandes wird häufig als Transplantat für den Ersatz des vorderen Kreuzbandes verwendet. In der Abbildung (Kniegelenk von vorn) ist das Lig. patellae gelb markiert.

Retinaculum patellae

Kniegelenk von vorn mit gelb markiertem medialem Retinaculum patellae (Gray) Kniegelenk von vorn mit gelb markiertem medialem Retinaculum patellae (Gray)
Abbildung: Henry Gray, Anatomy of the Human Body (1918), gemeinfrei · Markierung: AnatomyProf

Die Retinacula patellae mediale und laterale sind Sehnenfaserzüge, die seitlich an der Patella vorbei nach distal ziehen. Sie stammen überwiegend aus den Mm. vasti medialis und lateralis; lateral strahlen zusätzlich Fasern des Tractus iliotibialis ein.

  • Funktion: laterale und mediale Stabilisierung der Patella.
  • Ansatz: an den Condyli tibiales, beiderseits der Tuberositas tibiae.

Die Retinacula bilden einen „Reservestreckapparat“: Bei einer Querfraktur der Patella ist eine Streckung des Knies noch eingeschränkt möglich, solange sie intakt sind. Bei der häufigen Patellaluxation nach lateral reißen typischerweise die medialen Haltestrukturen (mediales Retinaculum, mediales patellofemorales Band). In der Abbildung ist das mediale Retinaculum gelb markiert; Gray beschriftet es als „Retinacula from vastus medialis“.

Ligamenta collateralia

Kniegelenk von dorsal mit gelb markiertem tibialem und fibularem Kollateralband (Gray) Kniegelenk von dorsal mit gelb markiertem tibialem und fibularem Kollateralband (Gray)
Abbildung: Henry Gray, Anatomy of the Human Body (1918), gemeinfrei · Markierung: AnatomyProf

Lig. collaterale tibiale (mediale)

  • Besteht aus zwei Schenkeln, die beide am Epicondylus medialis femoris entspringen.
  • Der vordere Schenkel setzt an der medialen Fläche der Tibia unterhalb der Höhe der Tuberositas tibiae an, der hintere Schenkel dorsal am Condylus medialis tibiae.
  • Es ist mit der Gelenkkapsel und dem Innenmeniscus verwachsen; es verhindert die Abduktion (Valgusstellung) und begrenzt die Rotation.

Lig. collaterale fibulare (laterale)

  • Liegt außerhalb der Gelenkkapsel und hat keine Verbindung zum Außenmeniscus.
  • Zieht vom Epicondylus lateralis femoris zum Caput fibulae.
  • Verhindert die Adduktion (Varusstellung) und begrenzt die Rotation.

Beide Seitenbänder sind in Streckung gespannt und in Beugung entspannt – deshalb ist eine Rotation nur im gebeugten Knie möglich; vor allem die Außenrotation wird von ihnen gebremst. Geprüft werden sie durch Valgus- und Varusstress. In der Abbildung (Ansicht von dorsal) sind beide Kollateralbänder gelb markiert.

Ligamenta poplitea

Kniegelenk von dorsal; Lig. popliteum obliquum und Lig. popliteum arcuatum gelb markiert (Gray) Kniegelenk von dorsal; Lig. popliteum obliquum und Lig. popliteum arcuatum gelb markiert (Gray)
Abbildung: Henry Gray, Anatomy of the Human Body (1918), gemeinfrei · Markierung: AnatomyProf

Die Bänder befinden sich in der Fossa poplitea (Kniekehle) und verstärken die Hinterwand der Gelenkkapsel. Sie verhindern eine Überstreckung; das Lig. popliteum obliquum hemmt zusätzlich die Außenrotation.

  • Lig. popliteum obliquum: hat seinen Ursprung am Condylus medialis tibiae – es ist eine Abspaltung der Sehne des M. semimembranosus – und zieht schräg nach oben zum lateralen Femurkondylus (Epicondylus lateralis).
  • Lig. popliteum arcuatum: beginnt am Caput fibulae, überspannt bogenförmig die Sehne des M. popliteus und strahlt nach kranial und medial in die Gelenkkapsel ein.

Zusammen mit der Sehne des M. semimembranosus und dem Popliteuskomplex bilden sie die dorsale Kapselsicherung („posteriore Ecke“). Klinisch bedeutsam ist in dieser Region die Baker-Zyste: eine mit Gelenkflüssigkeit gefüllte Aussackung zwischen M. semimembranosus und medialem Gastrocnemiuskopf. In der Abbildung (Ansicht von dorsal) sind das schräg verlaufende Lig. popliteum obliquum und das vom Fibulakopf aufsteigende Lig. popliteum arcuatum gelb markiert.

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