Bänder im Bereich des Fußes

Sprunggelenke

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In dieser Lerneinheit werden unter anderem die wichtigsten Bänder der Fußgelenke durchgenommen. Es werden die Strukturen Ligamentum tibiofibulare, Ligamentum deltoideum, Ligamentum talofibulare, Ligamentum calcaneofibulare und Ligamentum talocalcaneum vorgestellt.

Man unterscheidet das obere Sprunggelenk (Articulatio talocruralis) zwischen Malleolengabel und Talus – ein Scharniergelenk für Dorsalextension und Plantarflexion – vom unteren Sprunggelenk (Articulationes subtalaris und talocalcaneonavicularis), in dem Pronation/Eversion und Supination/Inversion stattfinden. Die Syndesmose hält die Malleolengabel federnd zusammen, seitlich sichern Innen- und Außenbänder die Gelenke.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Ligg. tibiofibularia anterius und posterius bilden die Syndesmose, die die Malleolengabel zusammenhält.
  • Das Lig. deltoideum (Innenband) hat vier Anteile und hemmt Pronation/Eversion.
  • Außenbänder: Ligg. talofibulare anterius, calcaneofibulare und talofibulare posterius – sie hemmen die Supination.
  • Beim Supinationstrauma reißt zuerst das Lig. talofibulare anterius.
  • Das Lig. talocalcaneum interosseum trennt die beiden Kammern des unteren Sprunggelenks.

Ligamentum tibiofibulare

Fuß und Sprunggelenk von lateral; vorderes Syndesmosenband gelb markiert (Gray) Fuß und Sprunggelenk von lateral; vorderes Syndesmosenband gelb markiert (Gray)
Abbildung: Henry Gray, Anatomy of the Human Body (1918), gemeinfrei · Markierung: AnatomyProf
  • Lig. tibiofibulare anterius: verbindet das vordere laterale Ende der Tibia mit der Vorderkante des Malleolus lateralis der Fibula.
  • Lig. tibiofibulare posterius: verbindet das hintere laterale Ende der Tibia mit der Hinterkante des Malleolus lateralis.

Die beiden Bänder bilden die Syndesmosis tibiofibularis; auch die Membrana interossea cruris ist eine bindegewebige Verbindung (Syndesmose) zwischen Tibia und Fibula. Die Syndesmose hält die Malleolengabel zusammen, die den Talus umgreift. Da die Trochlea tali vorn breiter ist als hinten, weitet sich die Gabel bei Dorsalextension geringfügig – die Bänder müssen daher fest und zugleich elastisch sein. Bei Sprunggelenksfrakturen ist die Syndesmose entscheidend für die Einteilung nach Weber: Bei Typ C (Fibulafraktur oberhalb der Syndesmose) ist sie zerrissen. In der Abbildung (Ansicht von lateral) ist das vordere Syndesmosenband gelb markiert; Gray beschriftet es als „Ant. lat. malleol. lig.“.

Ligamentum deltoideum

Fuß von medial; Pars tibiocalcanea des Ligamentum deltoideum gelb markiert (Gray) Fuß von medial; Pars tibiocalcanea des Ligamentum deltoideum gelb markiert (Gray)
Abbildung: Henry Gray, Anatomy of the Human Body (1918), gemeinfrei · Markierung: AnatomyProf

Das auch als Lig. collaterale mediale bezeichnete Band beginnt am Malleolus medialis und fächert sich in vier Teile auf:

  • Pars tibiotalaris anterior – zum Collum tali
  • Pars tibiotalaris posterior – zum Processus posterior tali
  • Pars tibiocalcanea – zum Sustentaculum tali des Calcaneus
  • Pars tibionavicularis – zur Tuberositas ossis navicularis

Es handelt sich um ein sehr reißfestes Band, das die Pronation bzw. Eversion hemmt. Da es beide Gelenke überbrückt, sichert es das obere und – mit Pars tibiocalcanea und Pars tibionavicularis – auch das untere Sprunggelenk. Isolierte Rupturen sind selten; bei Pronationstraumen reißt eher der Innenknöchel knöchern aus. In der Abbildung (Ansicht von medial) ist der senkrecht vom Innenknöchel zum Calcaneus ziehende Anteil gelb markiert, also die Pars tibiocalcanea mit Ansatz am Sustentaculum tali.

Ligamentum talofibulare

Sprunggelenk von lateral-hinten; Ligg. talofibularia anterius und posterius gelb markiert (Gray) Sprunggelenk von lateral-hinten; Ligg. talofibularia anterius und posterius gelb markiert (Gray)
Abbildung: Henry Gray, Anatomy of the Human Body (1918), gemeinfrei · Markierung: AnatomyProf

Die beiden Ligg. talofibularia gehören zum Außenbandapparat; beide sind mit dem Malleolus lateralis verbunden.

  • Lig. talofibulare anterius: zieht nach vorn zum Collum tali.
  • Lig. talofibulare posterius: zieht nach hinten zum Processus posterior tali.

Das vordere Band ist das schwächste Außenband und wird beim häufigen Supinationstrauma („Umknicken“ nach außen in Plantarflexion) zuerst verletzt; danach reißen das Lig. calcaneofibulare und – nur bei schweren Traumen – das kräftige hintere Band. Eine Instabilität des vorderen Bandes zeigt sich im vorderen Schubladentest des Sprunggelenks. In der Abbildung (Sprunggelenk von lateral-hinten) sind das Lig. talofibulare anterius zwischen Außenknöchel und Talushals sowie das Lig. talofibulare posterius gelb markiert.

Ligamentum calcaneofibulare

Fuß von lateral mit gelb markiertem Bandzug an der Außenseite des Calcaneus (Gray) Fuß von lateral mit gelb markiertem Bandzug an der Außenseite des Calcaneus (Gray)
Abbildung: Henry Gray, Anatomy of the Human Body (1918), gemeinfrei · Markierung: AnatomyProf
  • Verlauf: Das Lig. calcaneofibulare zieht von der Spitze des Malleolus lateralis nach hinten unten zu einem lateralen Höckerchen (Tuberculum) an der Außenfläche des Calcaneus.
  • Funktion: hemmt die Supination bzw. Inversion, besonders in Dorsalextension.

Als einziges der drei Außenbänder überbrückt es sowohl das obere als auch das untere Sprunggelenk und stabilisiert damit beide. Es liegt in der Tiefe unter den Sehnen der Mm. fibularis longus und brevis. Beim Supinationstrauma reißt es typischerweise nach dem Lig. talofibulare anterius; eine kombinierte Ruptur führt eher zu einer chronischen Instabilität. Die Diagnose stützt sich auf Klinik, Talar-Tilt-Test und gegebenenfalls Bildgebung. In der Abbildung (Ansicht von lateral) ist ein Bandzug an der Außenseite des Calcaneus unterhalb der Knöchelregion gelb markiert; Grays Beschriftung „Calcaneofibular lig.“ bezeichnet das Band.

Ligamentum talocalcaneum

Calcaneus von oben ohne Talus; Lig. talocalcaneum interosseum und laterale gelb markiert (Gray) Calcaneus von oben ohne Talus; Lig. talocalcaneum interosseum und laterale gelb markiert (Gray)
Abbildung: Henry Gray, Anatomy of the Human Body (1918), gemeinfrei · Markierung: AnatomyProf
  • Lig. talocalcaneum interosseum: verbindet das Fersenbein (Calcaneus) mit dem Sprungbein (Talus). Es liegt im Sinus bzw. Canalis tarsi und trennt die hintere Kammer (Articulatio subtalaris) von der vorderen Kammer (Articulatio talocalcaneonavicularis) des unteren Sprunggelenks.
  • Lig. talocalcaneum laterale: liegt weiter außen an der lateralen Seite und hemmt die Supination.

Allgemein gilt: Die medialen Bänder hemmen die Pronation, die lateralen die Supination. Das kräftige Lig. talocalcaneum interosseum ist das wichtigste Band des unteren Sprunggelenks; es liegt etwa in der Bewegungsachse und hält Talus und Calcaneus bei allen Bewegungen zusammen. Weitere Verstärkungen sind die Ligg. talocalcanea mediale und posterius. In der Abbildung (Calcaneus von oben nach Entfernung des Talus) sind die Schnittränder des Lig. talocalcaneum interosseum in der Furche zwischen den Gelenkflächen und das Lig. talocalcaneum laterale gelb markiert.

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