Bänder des Hüftgelenks

Articulatio coxae

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In dieser Lerneinheit werden die Bänder des Hüftgelenkes durchgenommen. Diese stabilisieren das Gelenk und bewirken außerdem Hemmungen in der Articulatio coxae. Es werden die Strukturen Ligamentum iliofemorale, Ligamentum ischiofemorale, Ligamentum pubofemorale und Zona orbicularis vorgestellt.

Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk in der Sonderform des Nussgelenks: Das Acetabulum umgreift den Femurkopf über dessen Äquator hinaus. Die drei kräftigen Kapselbänder verlaufen schraubenförmig um den Schenkelhals. Bei der Streckung spannen sie sich an, pressen den Kopf in die Pfanne und ermöglichen so den aufrechten Stand mit geringem Muskelaufwand.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Lig. iliofemorale (Spina iliaca anterior inferior → Linea intertrochanterica) ist das stärkste Band des Menschen.
  • Alle drei Kapselbänder verlaufen schraubenförmig und spannen sich bei Extension an.
  • Lig. iliofemorale hemmt Extension und Adduktion, Lig. pubofemorale vor allem die Abduktion, Lig. ischiofemorale Innenrotation und Extension.
  • Die Zona orbicularis umschließt ringförmig den Schenkelhals und hält den Femurkopf in der Pfanne.
  • Bandfreie Schwachstellen der Kapsel liegen zwischen den Bändern, z. B. im Bereich der Bursa iliopectinea.

Ligamentum iliofemorale

Rechtes Hüftgelenk von vorn mit gelb markiertem Ligamentum iliofemorale (Gray) Rechtes Hüftgelenk von vorn mit gelb markiertem Ligamentum iliofemorale (Gray)
Abbildung: Henry Gray, Anatomy of the Human Body (1918), gemeinfrei · Markierung: AnatomyProf

Das Lig. iliofemorale ist das stärkste Band des Menschen; es hält Zugkräften von mehreren tausend Newton stand.

  • Verlauf: von der Spina iliaca anterior inferior (Os ilium) zur Linea intertrochanterica.
  • Funktion: Hemmung der Extension und der Adduktion.

Das Band hat die Form eines umgekehrten Y (Bertin-Band) mit einer Pars lateralis und einer Pars medialis. Die Pars lateralis begrenzt vor allem Adduktion und Außenrotation, die Pars medialis die Streckung. Im aufrechten Stand verhindert es, dass das Becken nach hinten kippt – der Körper „hängt“ gewissermaßen in seinen Iliofemoralbändern. Bei einer Hüftluxation nach hinten bleibt das Band meist erhalten und bestimmt die typische Fehlstellung des Beins (Beugung, Adduktion, Innenrotation). In der Abbildung (Hüftgelenk von vorn) ist das Lig. iliofemorale gelb markiert.

Ligamentum ischiofemorale

Hüftgelenk von dorsal mit gelb markiertem Ligamentum ischiofemorale (Gray) Hüftgelenk von dorsal mit gelb markiertem Ligamentum ischiofemorale (Gray)
Abbildung: Henry Gray, Anatomy of the Human Body (1918), gemeinfrei · Markierung: AnatomyProf

Das Lig. ischiofemorale ist das schwächste der drei Kapselbänder und liegt auf der Rückseite des Gelenks.

  • Verlauf: vom Os ischii (dorsaler Pfannenrand) zur Crista intertrochanterica bzw. Fossa trochanterica an der dorsalen Seite des Femurs; ein Teil der Fasern strahlt in die Zona orbicularis ein.
  • Funktion: hemmt die Innenrotation und die Extension, in Beugestellung auch die Adduktion.

Die Fasern verlaufen spiralig von hinten unten nach oben außen um den Schenkelhals. Bei der Streckung werden sie wie die übrigen Kapselbänder „aufgedreht“ und straff gespannt. In der Abbildung (Hüftgelenk von dorsal) ist das Lig. ischiofemorale gelb markiert; Gray unterscheidet darin horizontale („horizontal fibers“) und spiralige Fasern („spiral fibers“).

Ligamentum pubofemorale

Hüftgelenk von vorn mit gelb markiertem Ligamentum pubofemorale (Gray: Pubocapsular ligament) Hüftgelenk von vorn mit gelb markiertem Ligamentum pubofemorale (Gray: Pubocapsular ligament)
Abbildung: Henry Gray, Anatomy of the Human Body (1918), gemeinfrei · Markierung: AnatomyProf

Das Lig. pubofemorale entspringt am Os pubis und verstärkt die Kapsel von vorn unten.

  • Verlauf: vom Ramus superior ossis pubis zum distalen Teil der Linea intertrochanterica des Femurs; seine Fasern verschmelzen mit der Kapsel und der Pars medialis des Lig. iliofemorale.
  • Funktion: hemmt hauptsächlich die Abduktion des Femurs, daneben Extension und Außenrotation.

Zwischen Lig. pubofemorale und Lig. iliofemorale liegt eine bandfreie Stelle, an der die Bursa iliopectinea häufig mit der Gelenkhöhle kommuniziert. Eine zweite Schwachstelle befindet sich unten-hinten zwischen Lig. pubofemorale und Lig. ischiofemorale. In der Abbildung (Hüftgelenk von vorn) ist das Lig. pubofemorale gelb markiert; Gray bezeichnet es mit dem älteren Namen „Pubocapsular ligament“.

Zona orbicularis

Hüftgelenk von dorsal mit blauer Kapsel und gelb markierter Zona orbicularis am Schenkelhals (Gray) Hüftgelenk von dorsal mit blauer Kapsel und gelb markierter Zona orbicularis am Schenkelhals (Gray)
Abbildung: Henry Gray, Anatomy of the Human Body (1918), gemeinfrei · Markierung: AnatomyProf

Die Zona orbicularis (Gürtelzone) ist ein ringförmiger Faserzug in den tiefen Schichten der Gelenkkapsel.

  • Sie setzt sich zirkulär aus Fasern der Ligg. iliofemorale, ischiofemorale und pubofemorale zusammen.
  • Sie liegt distal vom Caput femoris und umschließt den Schenkelhals an seiner schmalsten Stelle.
  • Die Gürtelzone sichert den Gelenkkopf (Caput femoris) vor dem Austreten aus der Gelenkpfanne (Acetabulum).

Da der Ring enger ist als der Durchmesser des Femurkopfes, hält er den Kopf wie ein Knopfloch fest. Die Zona orbicularis hat keinen knöchernen Ansatz; sie wird erst nach Entfernung der Kapselbänder deutlich sichtbar. Entlang des Schenkelhalses ziehen in der Kapsel die Aa. retinaculares zum Femurkopf – bei Schenkelhalsfrakturen droht deshalb eine Femurkopfnekrose. In der Abbildung (Hüftgelenk von dorsal, Kapsel blau) ist die Zona orbicularis gelb markiert.

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