Lamellenknochen

Tibia · Knochenschliff

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Knochenschliff, Kompakta quer, Übersicht mit Osteonen, Havers-Kanälen und Osteozytenlakunen
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Übersicht Kompakta im Querschliff: zahlreiche Osteone mit dunklem Havers-Kanal und konzentrischen Lamellen; dazwischen Schaltlamellen mit unregelmäßig verteilten Lakunen. Aufnahme: © AnatomyProf

Beschriftete Strukturen

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Der Knochenschliff wird aus getrocknetem, nicht entkalktem Knochen dünn geschliffen. Organische Bestandteile und Zellen fehlen, dafür sind die Hohlräume – Kanäle, Lakunen und Kanälchen – mit Luft oder Schleifstaub gefüllt und erscheinen dunkel. So wird die Architektur des Lamellenknochens mit seinen Osteonen besonders klar sichtbar.

Daran erkennst du es

  • Rundliche Osteone mit konzentrischen Lamellenringen
  • Dunkler, zentraler Havers-Kanal in jedem Osteon
  • Spindelförmige dunkle Osteozytenlakunen zwischen den Lamellen
  • Feine, radiär abgehende Canaliculi
  • Schaltlamellen als Lamellenbruchstücke zwischen den Osteonen
  • Keine Zellen erhalten (Schliffpräparat)

Aufbau

Die Baueinheit der Kompakta ist das Osteon (Havers-System): ein Zylinder aus 5–20 konzentrischen Speziallamellen um einen zentralen Havers-Kanal mit Blutgefäßen und Nerven. Quer bzw. schräg verlaufende Volkmann-Kanäle verbinden die Havers-Kanäle untereinander sowie mit Periost und Markhöhle; sie sind nicht von eigenen Lamellen umgeben.

Zwischen den Osteonen liegen Schaltlamellen (interstitielle Lamellen) – Reste abgebauter älterer Osteone. Außen und innen schließen äußere und innere Generallamellen (Grundlamellen) die Kompakta ab. Osteozyten liegen in Lakunen zwischen den Lamellen und sind über feine Canaliculi verbunden. Kittlinien begrenzen jedes Osteon.

Funktion

In jeder Lamelle verlaufen die Kollagen-I-Fibrillen parallel und schraubig, in benachbarten Lamellen jedoch in wechselndem Winkel – ähnlich wie bei Sperrholz. Dadurch ist Lamellenknochen sehr biege- und torsionsfest; die Hydroxylapatitkristalle sorgen für Druckfestigkeit. Das Netz aus Osteozyten und Canaliculi dient dem Stoffaustausch und der Wahrnehmung mechanischer Belastung: Osteozyten steuern über Signalstoffe (z. B. Sklerostin, RANKL) den ständigen Umbau durch Osteoklasten und Osteoblasten. Neue Osteonen entstehen, indem Bohrkanäle der Osteoklasten von Osteoblasten wieder aufgefüllt werden.

Mikroskopie-Tipps

Im Schliff ist „dunkel“ gleich „Hohlraum“: Die großen runden schwarzen Flecken sind Havers-Kanäle, die kleinen spindelförmigen schwarzen Punkte Osteozytenlakunen. Bei starker Vergrößerung siehst du die haarfeinen, radiär abgehenden Canaliculi. Suche ein Osteon mit gut erkennbaren Ringen und verfolge die Grenze nach außen – dort, wo Lamellen angeschnitten enden, beginnen die Schaltlamellen. Längs oder schräg angeschnittene Kanäle ohne eigene Lamellen sprechen für Volkmann-Kanäle. Abgrenzung zum entkalkten HE-Schnitt: Dort sind Zellen erhalten und die Matrix eosinophil.

Klinischer Bezug

Bei der Osteoporose überwiegt der Abbau: Spongiosabälkchen werden dünner und die Kompakta porös, wodurch Frakturen von Wirbelkörpern, Schenkelhals und distalem Radius begünstigt werden. Bei der Frakturheilung entsteht zunächst Geflechtknochen, der anschließend über Osteonenbildung zu Lamellenknochen umgebaut wird. Auch das Alter eines Knochens lässt sich forensisch grob an der Dichte von Osteonen und Schaltlamellen abschätzen. Bei der Osteomyelitis breiten sich Keime über Havers- und Volkmann-Kanäle im Knochen aus.

Präparat-Bilder

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