Nr. 22 Bindegewebe

Straffes parallelfaseriges Bindegewebe

Sehne längs · HE

Quiz starten
Sehne längs, HE, mit Peritendineum externum, parallelen Kollagenbündeln und Peritendineum internum
1 2 3 4
Mittlere Vergrößerung Sehne im Längsschnitt mit Oberfläche: oben das zellreiche Peritendineum externum, in der Tiefe parallele Faserbündel, getrennt durch Peritendineum internum mit kleinen Gefäßen. Aufnahme: © AnatomyProf

Beschriftete Strukturen

Für dieses Bild gibt es keine Beschriftung – nutze die Bildbeschreibung.

Straffes parallelfaseriges Bindegewebe ist für Zug in einer einzigen Richtung optimiert. Sein typischer Vertreter ist die Sehne: Dicht gepackte, parallel verlaufende Kollagen-I-Bündel übertragen die Kraft des Muskels auf den Knochen. Zwischen den Bündeln liegen in Reihen die abgeflachten Sehnenzellen.

Daran erkennst du es

  • Dicht gepackte, parallel verlaufende, stark eosinophile Kollagenbündel
  • Lange, schmale, dunkle Kerne der Flügelzellen in Reihen zwischen den Bündeln
  • Kaum Grundsubstanz, wenige Gefäße
  • Helle Spalten bzw. lockeres Bindegewebe zwischen den Bündeln (Peritendineum internum)
  • Zellreichere Hülle am Rand (Peritendineum externum)

Aufbau

Kollagenfibrillen lagern sich zu Fasern, diese zu Primärbündeln zusammen. Jedes Primärbündel ist von zartem lockerem Bindegewebe, dem Peritendineum internum, umgeben; mehrere Primärbündel bilden Sekundärbündel. Die ganze Sehne umhüllt das straffere Peritendineum externum (Epitendineum), über das Gefäße und Nerven eintreten.

Die Sehnenzellen (Tendinozyten) sind spezialisierte Fibrozyten. Weil sie zwischen den Faserbündeln eingeklemmt sind, bilden sie dünne, flügelartige Zytoplasmaplatten aus – daher der Name Flügelzellen. Im Längsschnitt sieht man nur ihre langen, schmalen Kerne in Reihen.

Funktion und Vorkommen

Die parallele Ausrichtung der Kollagenbündel macht Sehnen extrem zugfest, aber kaum dehnbar. Die leicht gewellte Faserstruktur (Crimp) wird bei geringer Last zuerst gestreckt und puffert so Zugspitzen. Straffes parallelfaseriges Bindegewebe bildet Sehnen, Aponeurosen und die meisten Bänder. Eine Sonderform sind elastische Bänder wie die Ligamenta flava, die überwiegend aus elastischen Fasern bestehen. Sehnen sind gefäßarm und haben daher einen langsamen Stoffwechsel.

Mikroskopie-Tipps

Im Längsschnitt ist das Bild sehr gleichförmig: kräftig eosinophile, parallele Faserbündel und dazwischen schmale, dunkle, stäbchenförmige Kerne in Reihen. Die hellen Längsspalten zwischen den Bündeln entsprechen dem Peritendineum internum oder Schrumpfungsartefakten. Am Rand findest du das zellreichere Peritendineum externum. Verwechslungsgefahr mit glatter Muskulatur: Deren Kerne liegen mitten in der Zelle, sind zigarrenförmig mit abgerundeten Enden, und das Zytoplasma ist weniger leuchtend rosa. Skelettmuskulatur zeigt Querstreifung und randständige Kerne.

Klinischer Bezug

Wegen der geringen Gefäßversorgung heilen Sehnenverletzungen langsam; das Reparaturgewebe ist zunächst ungeordnet und weniger belastbar. Chronische Überlastung führt zur Tendinopathie mit Degeneration der Faserbündel, z. B. an Achillessehne oder Supraspinatussehne. Eine degenerativ vorgeschädigte Achillessehne kann bei plötzlicher Belastung reißen. Auch Fluorchinolon-Antibiotika und Glukokortikoide erhöhen das Rupturrisiko. Bei der Sehnenrekonstruktion nutzt man häufig autologe Sehnentransplantate, etwa aus der Semitendinosus- oder Patellarsehne beim Kreuzbandersatz; das Transplantat wird dabei langsam von Zellen des Empfängers durchbaut.

Präparat-Bilder

Teste dein Wissen

Ordne jedem Begriff die richtige Nummer im Bild zu.

Tippe im Bild auf die gesuchte Struktur.

Multiple-Choice-Fragen zu Aufbau und Funktion.

Aktualisiert: