Retikuläres Bindegewebe
Milz, gespült · HE

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Retikuläres Bindegewebe bildet das dreidimensionale Grundgerüst der lymphatischen Organe und des Knochenmarks. Es besteht aus sternförmig verzweigten Retikulumzellen und den von ihnen gebildeten feinen Retikulinfasern (Kollagen Typ III). In der gespülten Milz sind viele Blutzellen ausgewaschen, sodass das Maschenwerk besser hervortritt.
Daran erkennst du es
- Lockeres Maschenwerk mit vielen freien Zellen (v. a. Lymphozyten)
- Retikulumzellen: große, helle, ovale Kerne und verzweigte Fortsätze
- Retikulinfasern in HE kaum sichtbar, in Silberfärbung schwarz
- In der Milz: eosinophile Trabekel aus straffem Bindegewebe
- Gespülte Milz: leere Räume (Sinus) zwischen den Zellsträngen
Im Präparat aufsuchen
- Retikulumzellen mit hellem Kern
- Maschenwerk (Retikulinfasern, nur angedeutet)
- Freie Zellen in den Maschen (Lymphozyten)
- Milztrabekel
- Ausgespülte Sinus der roten Pulpa
Aufbau
Die Retikulumzellen (fibroblastische Retikulumzellen) besitzen einen großen, hellen, ovalen Kern und lange Zytoplasmafortsätze, mit denen sie untereinander Kontakt aufnehmen. Gemeinsam mit den von ihnen umhüllten Retikulinfasern entsteht ein lockeres, schwammartiges Netz. In dessen Maschen liegen freie Zellen: Lymphozyten, Makrophagen, Plasmazellen und – in der roten Pulpa – Blutzellen.
In der Milz durchziehen zusätzlich Trabekel aus straffem Bindegewebe das Organ. Sie gehen von der Kapsel aus und führen die Trabekelgefäße.
Funktion und Vorkommen
Retikuläres Bindegewebe ist ein Stützgerüst für frei bewegliche Zellen und zugleich ein Ort der Zell-Zell-Kommunikation: Retikulumzellen bilden Chemokine, lenken Lymphozyten und präsentieren ihnen Antigene im richtigen Umfeld. Es kommt vor in Milz, Lymphknoten, Tonsillen, Peyer-Plaques, im Knochenmark und als Grundgerüst der Leber (Gitterfasern um die Sinusoide). Der Thymus ist eine Ausnahme: Sein Gerüst bilden epitheliale Retikulumzellen, die vom Schlundtaschenepithel abstammen.
Mikroskopie-Tipps
Im HE-Schnitt sind Retikulinfasern praktisch unsichtbar – sie werden erst mit Silberimprägnation (schwarz, „argyrophil“) oder PAS dargestellt. Achte deshalb auf die Zellen: Zwischen den vielen kleinen, runden, dunklen Lymphozytenkernen fallen vereinzelt größere, hellere, ovale Kerne mit blassem, fortsatzreichem Zytoplasma auf – das sind Retikulumzellen. In der Übersicht helfen die kräftig eosinophilen Trabekel bei der Orientierung. Ausgespülte, leere Räume entsprechen Milzsinus bzw. dem Maschenwerk der roten Pulpa.
Klinischer Bezug
Bei einer Knochenmarkfibrose (z. B. bei Myelofibrose) vermehren sich die Retikulinfasern stark; in der Silberfärbung wird der Fibrosegrad beurteilt. Klinisch fällt dies oft durch eine „Punctio sicca“ auf, bei der sich kein Mark aspirieren lässt. In Lymphknoten und Milz ist das retikuläre Gerüst bei Lymphomen häufig zerstört oder verdrängt, was in Retikulinfärbungen diagnostisch genutzt wird. Auch in der Leber zeigt ein Kollaps des Gitterfasernetzes einen Untergang von Leberzellen an.
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Häufige Fragen
Warum sieht man Retikulinfasern im HE-Schnitt nicht?
Sie sind sehr dünn und mit Glykoproteinen umhüllt, sodass sie sich mit Eosin kaum anfärben. Mit Silberimprägnation erscheinen sie schwarz, daher der Begriff „argyrophile Fasern“.
Warum wird die Milz für dieses Präparat gespült?
Durch das Ausspülen werden die zahlreichen Erythrozyten der roten Pulpa entfernt. Dadurch treten das Maschenwerk aus Retikulumzellen und die Sinus deutlicher hervor.
Ist das Gerüst des Thymus auch retikuläres Bindegewebe?
Nein. Der Thymus besitzt ein Gerüst aus epithelialen Retikulumzellen, die über Desmosomen verbunden sind und keine Retikulinfasern bilden.
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