Neurulation – fortgeschrittene Keimblätter

Hühnerembryo · HE

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Hühnerembryo, HE, Übersicht: Neuralrohr, Chorda dorsalis, Mesoderm und Embryonalhüllen
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Übersicht Querschnitt durch einen Hühnerembryo (gedreht eingebettet): dickwandiges Neuralrohr mit Chorda dorsalis, seitlich die Mesodermplatten, außen dünne extraembryonale Membranen. Aufnahme: © AnatomyProf

Beschriftete Strukturen

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Bei der Neurulation entsteht aus dem Ektoderm über der Chorda dorsalis die Neuralplatte. Sie faltet sich zu Neuralwülsten auf, die sich in der Mittellinie schließen und das Neuralrohr bilden – die Anlage von Gehirn und Rückenmark. Gleichzeitig gliedert sich das Mesoderm beiderseits in paraxiales, intermediäres und Seitenplattenmesoderm, und der Embryo faltet sich zu einem zylindrischen Körper ein.

Der Querschnitt durch einen Hühnerembryo (HE) zeigt diese fortgeschrittene Organisation der Keimblätter: Das Neuralrohr liegt dorsal, darunter die Chorda dorsalis, seitlich die Mesodermabschnitte, umgeben von Ektoderm und den extraembryonalen Hüllen.

Daran erkennst du es

  • Dickwandiges Neuralrohr mit schlitzförmigem Lumen
  • Runde, vakuolisierte Chorda dorsalis ventral des Neuralrohrs
  • Lockeres Mesenchym des paraxialen Mesoderms beiderseits
  • Seitenplattenmesoderm mit Zölomspalt, außen Ektoderm
  • Dünne extraembryonale Membranen um den Embryo

Aufbau

Das Neuralrohr besteht aus einem dicken, mehrreihigen Neuroepithel mit dicht stehenden Kernen um ein schlitzförmiges Lumen (späterer Zentralkanal bzw. Ventrikel). Ventral davon liegt die Chorda dorsalis, ein runder Strang großer, vakuolisierter Zellen. Seitlich des Neuralrohrs folgt das paraxiale Mesoderm, das sich in Somiten gliedert (Sklerotom, Myotom, Dermatom). Lateral schließt das schmale intermediäre Mesoderm an, aus dem Urniere und Wolff-Gang hervorgehen. Ganz außen liegt das Seitenplattenmesoderm, das sich in ein somatisches und ein splanchnisches Blatt spaltet; der Spalt dazwischen ist das intraembryonale Zölom. Außen bedeckt das Ektoderm den Embryo, das Endoderm kleidet das Darmrohr aus.

Funktion

Die Chorda dorsalis ist ein wichtiges Signalzentrum: Sie sezerniert u. a. Sonic Hedgehog und induziert damit die Neuralplatte, die ventrale Bodenplatte des Neuralrohrs und das Sklerotom. Aus dem Neuralrohr entstehen ZNS und Retina, aus den Neuralwülsten die Neuralleiste (Spinalganglien, vegetative Ganglien, Melanozyten, Nebennierenmark). Das Sklerotom bildet Wirbel, das Myotom Skelettmuskulatur, das Dermatom die Dermis des Rückens. Das somatische Blatt der Seitenplatte bildet Körperwand und Extremitäten, das splanchnische Blatt Darmwandmuskulatur und Herz. Aus dem Zölom entstehen die Körperhöhlen.

Mikroskopie-Tipps

Suche bei kleiner Vergrößerung zuerst das Neuralrohr: die auffälligste, dunkelste Struktur mit dickem Epithel und schmalem Lumen. Direkt ventral davon findest du die kleine, runde Chorda dorsalis mit hellen Vakuolen – sie definiert die Mittellinie und die Orientierung des Schnitts. Das Präparat ist oft schräg oder gedreht eingebettet, orientiere dich daher immer an Neuralrohr und Chorda, nicht am Bildrand. Seitlich folgen lockeres Mesenchym und die Mesodermplatten, außen dünne extraembryonale Membranen (Amnion, Chorion). Blutgefäße erkennst du an kernhaltigen Erythrozyten, die beim Huhn auch adult Kerne besitzen.

Klinischer Bezug

Schließt sich das Neuralrohr nicht vollständig, entstehen Neuralrohrdefekte: im kaudalen Bereich die Spina bifida (bis zur Myelomeningozele), im kranialen Bereich die Anenzephalie. Der Verschluss erfolgt beim Menschen bereits in der 4. Embryonalwoche, oft bevor die Schwangerschaft bemerkt wird. Eine Folsäuresupplementierung vor der Empfängnis senkt das Risiko deutlich. Ein erhöhtes Alpha-Fetoprotein im mütterlichen Serum oder Fruchtwasser kann auf einen offenen Defekt hinweisen; Reste der Chorda können selten zu einem Chordom entarten.

Präparat-Bilder

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