Urothel (Übergangsepithel)
Harnblase · HE

Beschriftete Strukturen
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Das Übergangsepithel findet man in den ableitenden Harnwegen. Es kann sich auf den Füllstand anpassen und besitzt eine schützende Crusta. Uroplakine und diskoidale Vesikel kräftigen diesen Schutz.
Das Urothel ist ein Spezialepithel der ableitenden Harnwege (Nierenbecken, Ureter, Harnblase, proximale Urethra). Es besteht aus Basalzellen, mehreren Lagen Intermediärzellen und großen Deckzellen (Schirmzellen), die oft zwei Kerne besitzen und mehrere darunterliegende Zellen überdachen. Je nach Füllungszustand wirkt es hoch und vielschichtig (leere Blase) oder flach mit nur wenigen Lagen (gefüllte Blase).
Daran erkennst du es
- Große, kuppelförmige Deckzellen an der Oberfläche
- Eosinophile Crusta auf der Lumenseite
- Deckzellen oft zweikernig
- Epitheldicke abhängig vom Füllungszustand
- Darunter kräftige glatte Muskulatur ohne Muscularis mucosae
Im Präparat aufsuchen
- Crusta
- Deckzellen
- Intermediärzellen
- Basalzellen
- Basalmembran
- Lamina propria mit Blutgefäßen
- Tunica muscularis
Aufbau
Die Basalzellen sind klein und liegen der Basalmembran auf. Darüber folgen birnen- bis keulenförmige Intermediärzellen, die nach heutiger Auffassung mit Fortsätzen bis zur Basalmembran reichen – das Urothel gilt daher oft als mehrreihig. Die oberflächlichen Deckzellen sind sehr groß, häufig zwei- oder polyploid-kernig und tragen an ihrer Lumenseite die Crusta: eine verdichtete, eosinophile Zytoplasmazone mit Plaques aus Uroplakinen in der apikalen Membran. Unter dem Epithel liegen eine gefäßreiche Lamina propria und die kräftige glatte Muskulatur (M. detrusor vesicae).
Funktion
Das Urothel bildet eine der dichtesten Barrieren des Körpers: Uroplakin-Plaques und Tight Junctions verhindern, dass Wasser und Harnbestandteile aus dem hypertonen Urin ins Gewebe gelangen. Bei Füllung der Blase werden diskoide Vesikel mit vorgefertigter Membran in die apikale Oberfläche eingebaut, die Zellen flachen ab und das Epithel dehnt sich, ohne zu reißen. Bei Entleerung wird die Membran wieder endozytiert. Gleichzeitig verschieben sich die Intermediärzellen gegeneinander, sodass die Zahl der sichtbaren Zelllagen abnimmt. Das Urothel schützt so das darunterliegende Gewebe auch bei starker Dehnung.
Mikroskopie-Tipps
Bei schwacher Vergrößerung zeigt die leere Blase eine gefaltete Schleimhaut mit relativ dickem Epithel über lockerer Lamina propria; darunter folgen dicke, sich durchflechtende glatte Muskelbündel. Bei starker Vergrößerung suchst du die großen, kuppelförmigen Deckzellen mit eosinophilem Saum (Crusta) und gelegentlich zwei Kernen. Abgrenzung zum unverhornten Plattenepithel: Dort werden die oberflächlichen Zellen flach und klein, beim Urothel bleiben sie groß und gewölbt. Eine Muscularis mucosae fehlt.
Klinischer Bezug
Das Urothelkarzinom ist der häufigste Tumor der Harnblase; wichtigster Risikofaktor ist Rauchen, außerdem aromatische Amine (Berufskrankheit). Leitsymptom ist schmerzlose Hämaturie. Bei Harnwegsinfekten heften sich Bakterien über Fimbrien an Uroplakine der Deckzellen. Im Präparat einer gefüllten Blase kann das Urothel nur zwei bis drei Zelllagen hoch sein und leicht mit Plattenepithel verwechselt werden – achte dann auf die Crusta. Bei chronischer Reizung (z. B. Blasensteine, Bilharziose) kann eine Plattenepithelmetaplasie auftreten.
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Häufige Fragen
Warum heißt das Urothel auch Übergangsepithel?
Früher meinte man, es stehe morphologisch zwischen mehrschichtigem Platten- und Zylinderepithel. Tatsächlich ist es ein eigenständiges Epithel, das seine Höhe dem Füllungszustand anpasst.
Was ist die Crusta?
Eine verdichtete apikale Zytoplasmazone der Deckzellen mit Filamenten und Uroplakin-haltigen Membranplaques. Sie erscheint im HE-Schnitt als kräftig rosa Saum und dichtet das Epithel gegen den Harn ab.
Wo kommt Urothel vor?
Im Nierenbecken, in den Nierenkelchen, im Ureter, in der Harnblase und im proximalen Teil der Urethra.
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