Tubulöse Drüse
Colon · HE

Beschriftete Strukturen
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Die reagenzglasförmigen Drüsen besitzen auch wiederum Becherzellen.
Die Krypten des Dickdarms (Glandulae intestinales, Lieberkühn-Krypten) sind das klassische Beispiel einer einfachen, unverzweigten tubulösen Drüse: Ein gerader Epithelschlauch senkt sich von der Oberfläche bis zur Lamina muscularis mucosae in die Tiefe. Im Colon fehlen Zotten, deshalb stehen die Krypten dicht wie Reagenzgläser in einem Ständer nebeneinander.
Daran erkennst du es
- Gerade, unverzweigte, reagenzglasförmige Krypten
- Keine Zotten, glatte Schleimhautoberfläche
- Sehr viele helle Becherzellen im Kryptenepithel
- Schmales zentrales Lumen mit Sekret
- Zellreiche Lamina propria zwischen den Krypten
Im Präparat aufsuchen
- Reagenzglasförmige Krypte (tubulöse Drüse)
- Becherzellen
- Zellkerne des Kryptenepithels
- Sekret im Kryptenlumen
- Basalmembran
- Lamina propria
Aufbau
Jede Krypte ist ein gerader, blind endender Schlauch aus einschichtigem hochprismatischem Epithel, das einer Basalmembran aufsitzt. Den größten Teil der Zellen bilden Becherzellen, dazwischen liegen resorbierende Saumzellen (Kolonozyten), am Kryptengrund Stammzellen und vereinzelt enteroendokrine Zellen. Im Längsschnitt sieht man das Reagenzglas mit schmalem zentralem Lumen, im Querschnitt runde Profile, deren Becherzellen wie eine Rosette um das Lumen angeordnet sind. Zwischen den Krypten liegt die zellreiche Lamina propria mit Lymphozyten, Plasmazellen und Kapillaren.
Funktion
Hauptaufgabe der Dickdarmkrypten ist die Bildung von Schleim, der den zunehmend eingedickten Stuhl gleitfähig macht und die Schleimhaut vor Bakterien schützt. Die Saumzellen der Oberfläche resorbieren Wasser und Elektrolyte. Am Kryptengrund teilen sich Stammzellen; ihre Tochterzellen wandern zur Oberfläche und werden dort nach etwa fünf Tagen abgestoßen. So erneuert sich das Darmepithel ständig. Das Sekret wird merokrin ins Kryptenlumen abgegeben und gelangt von dort ins Darmlumen.
Mikroskopie-Tipps
Starte mit kleiner Vergrößerung: Das Colon zeigt eine glatte Oberfläche ohne Zotten und parallel stehende, gerade Krypten. Bei mittlerer Vergrößerung fallen die vielen hellen Becherzellen auf, die den Krypten ein wabiges Aussehen geben. Zur Abgrenzung: Der Dünndarm hat Zotten und deutlich weniger Becherzellen, der Magen hat Foveolae mit einheitlich hellem Oberflächenepithel, aber keine Becherzellen. Schräg angeschnittene Krypten erscheinen oval – folge ihnen gedanklich bis zur Muscularis mucosae.
Klinischer Bezug
Die meisten kolorektalen Karzinome entstehen aus den Krypten über Adenome, also gutartige Drüsenneubildungen mit dysplastischem Epithel. Bei der Colitis ulcerosa sind die Krypten verzweigt und unregelmäßig, enthalten Kryptenabszesse und weniger Becherzellen. Diese Veränderungen der normalerweise regelmäßigen Reagenzglasform sind in der Biopsie ein wichtiges Diagnosekriterium. Auch bei der Vorsorge-Koloskopie entnommene Polypen werden danach beurteilt, ob ihr Kryptenepithel noch regelrecht ausreift, also zur Oberfläche hin Becherzellen ausbildet, oder ob dysplastische Zellen mit vergrößerten, dicht stehenden Kernen bis an die Oberfläche reichen.
Präparat-Bilder
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Multiple-Choice-Fragen zu Aufbau und Funktion.
Häufige Fragen
Warum heißt die Drüse „einfach tubulös“?
„Einfach“ bedeutet unverzweigt, „tubulös“ beschreibt das schlauchförmige Endstück. Ein Ausführungsgang fehlt, die Krypte öffnet sich direkt an der Oberfläche.
Wie unterscheide ich Colon und Dünndarm im Präparat?
Das Colon hat keine Zotten und sehr viele Becherzellen in langen, geraden Krypten. Der Dünndarm zeigt Zotten mit Enterozyten und nur verstreute Becherzellen.
Was ist das helle Material im Kryptenlumen?
Es ist der von den Becherzellen abgegebene Schleim. Er färbt sich in HE nur schwach bläulich bis grau.
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