Herzmuskulatur
Myokard · HE

Beschriftete Strukturen
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Das Myokard besteht aus Herzmuskelzellen (Kardiomyozyten), die quergestreift sind wie Skelettmuskulatur, aber einen zentral gelegenen Kern besitzen, sich verzweigen und über Glanzstreifen zu einem funktionellen Netzwerk verbunden sind. Im Schnitt verlaufen die Zellbündel in verschiedenen Richtungen, sodass längs, schräg und quer getroffene Bereiche nebeneinander liegen.
Daran erkennst du es
- Querstreifung wie im Skelettmuskel
- Ein (selten zwei) zentral gelegener Kern pro Zelle
- Perinukleärer, myofibrillenfreier Hof
- Verzweigte Zellen
- Glanzstreifen (Disci intercalares)
- Sehr kapillarreiches Interstitium
Im Präparat aufsuchen
- Zentral gelegener Zellkern
- Perinukleäre, fibrillenfreie Zone
- Verzweigung einer Herzmuskelzelle
- Glanzstreifen
- Querstreifung
- Kapillaren mit Erythrozyten
Aufbau
Kardiomyozyten sind etwa 100 µm lang und 10–20 µm dick und haben meist einen, gelegentlich zwei zentral gelegene, ovale Kerne. An den Kernpolen liegt eine myofibrillenfreie, hell erscheinende Zone (perinukleärer Hof) mit Mitochondrien, Golgi-Apparat und Lipofuszin. Die Zellen sind Y-förmig verzweigt und End-zu-End über Glanzstreifen (Disci intercalares) verbunden – treppenförmige Linien quer zur Faser mit Adhärenzverbindungen, Desmosomen und Gap Junctions. Zwischen den Zellen liegt lockeres Bindegewebe mit einem sehr dichten Kapillarnetz.
Funktion
Herzmuskulatur kontrahiert rhythmisch, unwillkürlich und ermüdungsfrei. Die Erregung entsteht im Sinusknoten und breitet sich über die Gap Junctions der Glanzstreifen von Zelle zu Zelle aus – das Myokard arbeitet als funktionelles Synzytium. Der hohe Energiebedarf wird durch zahlreiche Mitochondrien und die enge Kapillarversorgung gedeckt. Kardiomyozyten des Erwachsenen teilen sich praktisch nicht mehr; untergegangenes Gewebe wird durch Narbengewebe ersetzt. Die Vorhofmyozyten bilden zusätzlich das Hormon ANP.
Mikroskopie-Tipps
Suche einen längs getroffenen Bereich. Achte auf einen Kern pro Zelle in der Mitte der Faser, oft mit hellem Hof an beiden Polen, und auf Verzweigungen der Fasern. Glanzstreifen sind in der HE-Färbung nur bei starker Vergrößerung als feine, dunklere Querlinien zu erahnen; mit Eisenhämatoxylin treten sie deutlich hervor. Im Querschnitt liegen die Kerne zentral in rundlich-unregelmäßigen Profilen. Abgrenzung: Skelettmuskel hat randständige Kerne und unverzweigte Fasern; glatte Muskulatur hat keine Querstreifung und spindelförmige Zellen.
Klinischer Bezug
Beim Myokardinfarkt sterben Kardiomyozyten ab und werden innerhalb von Wochen durch kollagenreiches Narbengewebe ersetzt. Bei chronischer Druckbelastung (z. B. Hypertonie) reagiert das Myokard mit Hypertrophie: Die Zellen werden dicker, ihre Kerne groß und plump. Bei der Hypertrophie nimmt die Zahl der Kapillaren nicht im gleichen Maß zu, sodass das Myokard anfälliger für Sauerstoffmangel wird. Ein Infarkt wird histologisch anhand von Zellnekrosen, Granulozyteninfiltrat, Granulationsgewebe und schließlich Narbe zeitlich eingeordnet.
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Multiple-Choice-Fragen zu Aufbau und Funktion.
Häufige Fragen
Was sind Glanzstreifen?
Treppenförmige Zell-Zell-Kontakte zwischen Herzmuskelzellen. Sie enthalten Adhärenzverbindungen und Desmosomen für die mechanische Kopplung sowie Gap Junctions für die elektrische Erregungsausbreitung.
Warum sehe ich die Glanzstreifen in der HE-Färbung kaum?
Sie sind sehr schmal und färben sich in HE kaum anders als das Sarkoplasma. Bei starker Vergrößerung und gutem Fokus erscheinen sie als feine dunkle Querlinien; Eisenhämatoxylin stellt sie besser dar.
Wie unterscheide ich Herz- von Skelettmuskulatur?
Herzmuskelzellen haben einen zentralen Kern, verzweigen sich und besitzen Glanzstreifen. Skelettmuskelfasern sind unverzweigt und haben viele randständige Kerne.
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